3. Serienparlament: Holz und Metall, Im Modus der Serie, Museum angewandte Kunst Frankfurt a.M.
Am 30. September 2026 versammelten sich Architekten Fachleute der Baubranche zum 3. Serienparlament der Ausstellung „Im Modus der Serie“ zu einem richtungsweisenden Symposium im Museum angewandte Kunst Frankfurt am Main. Als dritter Baustein einer Veranstaltungsreihe, die sich zuvor mit Beton sowie Naturstein und Lehm auseinandergesetzte, rückte dieser Abend das Zusammenspiel von Holz und Metall in den Mittelpunkt. Im Zentrum der Debatte stand eine fundamentale Zukunftsfrage der modernen Baukultur. Kann industrielle Vorfertigung und serielle Standardisierung nicht nur effizienter bauen, sondern zugleich eine hochgradig qualitative, ästhetische und dauerhafte Architektur hervorbringen, ohne in Monotonie zu enden ?
Nach der Begrüßung von Helmut Kleine-Kraneburg (Stiftung urban future forum) machte Andreas Krawczyk (NKBAK) den Auftakt der Fachvorträge mit dem Hinweis auf die stagnierende Produktivität der Baubranche seit 1945 im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen mit Zuwächsen von bis zu 1500 %. Wie serieller Holzbau diese Effizienzlücke schließt, verdeutlichte er an Berliner Bildungsbauten. Die ISS Mahlsdorf mit ca. 9.500 m Fläche wurde in Rekordzeit als Pionier der Berliner Schulbauoffensive realisiert. Auch eine Kita in Saarbrücken bewies mit gegeneinander versetzten Holzmodulen zudem, dass serielle Systeme kleinteilige, geborgene Räume für Kinder schaffen können. Im Vordergrund stehe aber auch insbesondere, dass die Räume zu einem „Wohlfühlort“ für Kinder und Jugendliche würden.
Louisa Hutton (Sauerbruch Hutton) widmete sich dem städtebaulichen Leitmotiv der
„Sweetness of Repetition“, wonach Wiederholung Ordnung, Rhythmus und Orientierung stiftet. Am Beispiel einer Studentenwohnanlage in Rostock veranschaulichte sie die Kombination von Betonstrukturen mit rund 600 Holzmodulen für Wohnungen sowie ergänzenden Systembauten für die Lehre. Auch beim Bau für das Bundespräsidialamt an der Spree umschließen rund 420 Holzmodule das Raumgefüge, während eine lebendige Hülle aus Keramik- und Metallelementen die Strenge des Rasters aufbricht.
Milena Karanescheva (Karawitz) verglich serielles Bauen mit dem „Jazz-Prinzip“. Ein klares Harmonieschema bietet die verlässliche Tragstruktur, lässt den Nutzenden im Alltag aber Raum für individuelle Entfaltung. Ökologische Low-Tech-Ansätze zeigte sie an Passivhäusern mit Strohdämmung auf Stahlpfählen zum Schutz des Bodens. Das für das Holzbauforum im Pariser Grand Palais konzipierte „Panuditorium“ bewies zudem, dass sich ein gesteckter Holz-Hörsaal für 300 Personen ganz ohne Leim oder Metallteile werkzeuglos in kürzester Zeit auf – und abbauen lässt.
Den abschließenden Impuls setzte Ernest Pacarada (Pacarada Group) angesichts der Prognose, dass die Baubranche in den nächsten zehn Jahren über 54 % ihrer erfahrenen Fachkräfte verlieren wird. Als technologische Antwort präsentierte er ein patentiertes Stahlknoten-System, das als universeller Connector für 1D-, 2D- und 3D-Bauteile dient und Materialien wie Holz, Stahl und Beton flexibel verknüpft. In Frankfurt am Main wurden so zusammen mit der Stadt und der WI-Bank 123 Wohnungen in nur 12 Monaten fertiggestellt. Das System ermöglicht verkürzte Bauzeiten, deutliche Kostenersparnisse und eine Materialwiederverwendung von bis zu 83% im Kreislauf.
In der Podiumsdiskussion brachte Manfred Senff (Kaufmann Bausysteme) die praktische Perspektive des Holzmodulbau-Herstellers und Zimmereibetriebs ein und betonte, dass Module stets als Teil eines größeren Ganzen der Architektur dienen müssen. Das einhellige Fazit der Experten unterstrich, dass Serialität keineswegs Gleichförmigkeit bedeutet. Der intelligente Einsatz von Holz und Metall verbindet Wirtschaftlichkeit und Ressourcenschonung mit hoher raumatmosphärischer Qualität für den Menschen.
Wir danken dem Museum angewandte Kunst, allen Teilnehmenden und insbesondere Andreas Krawczyk (NKBAK, Frankfurt a.M.), Louisa Hutton (Sauerbruch Hutton, London/ Berlin), Milena Karanescheva (Karawitz, Paris), Ernest Pacarada (Pacarada Group, Kelkheim) und Manfred Senff (Kaufmann Bausysteme) für Ihre wertvollen Beiträge an diesem Serienparlament und Prof. Helmut Kleine-Kraneburg (Stiftung urban future forum e.V.) für die Moderation durch den facettenreichen Abend!

Für alle Interessierten ist die Veranstaltung unter folgendem Link auf YouTube verfügbar:
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