Bauen als Umweltzerstörung – eine Bestandsaufnahme der Nachkriegsarchitektur

Schon die Assoziation ist provokant. Denn dahinter lauert der Verdacht, dass die Nachkriegsarchitektur der sogenannten Wiederaufbaujahre mitunter selbst Formen der Verheerung annahm. Doch die Frage ist erlaubt: Wann wird aus der Errichtung von Häusern und städtischen Räumen ein destruktiver Akt? Und lässt sich das Verständnis vom Bauen als Umweltzerstörung auf den Verbrauch von Flächen und irdischen Ressourcen reduzieren?

Darüber diskutieren die Architektin Prof. Elisabeth Endres von der TU Braunschweig, die Architektin Helga Kühnhenrich vom BBSR sowie die Architekten Ferdinand Heide aus Frankfurt und Prof. Hans Kollhoff aus Berlin.

Wenn von Nachhaltigkeit in Architektur und Städtebau die Rede ist, geht es fast immer um CO2-Bilanzen und Energiestandards. Doch bemisst sich die Nachhaltigkeit eines Bauwerks tatsächlich am Wärmedurchgangskoeffizienten? In seinem kurzen Eingangsstatement weist Vorstandssprecher Helmut Kleine-Kraneburg deshalb auf einen feinen Unterschied hin. Es drehe sich in der Diskussion fast immer nur um nachhaltiges Bauen, sagt er. Von einer nachhaltigen Architektur der Stadt indes sei nur selten die Rede. Angesichts der hohen Umweltkosten des Bauens – 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen entfallen auf Bau- und Immobilienwirtschaft – stellen sich deshalb folgende Fragen:

• Welche Rolle spielen Gestaltung, Konstruktion und Materialwahl im Hinblick auf die Lebensdauer und damit auf die Nachhaltigkeit eines Bauwerks?

• Wie müssen Projekte beschaffen sein, um mit Blick auf die Akzeptanz der Nutzerschaft als zukunftsfähig zu gelten? Reicht dafür der Verweis auf Vitruvs Dreisatz der „Nützlichkeit, Festigkeit, Schönheit“?

• Was bedeutet die nachhaltige Bauwende für Architekten und Stadtplaner? Geht es um effiziente Technologien oder die Entwicklung weniger komplexen Strukturen, die bei einer möglichst langen Lebensdauer möglichst wenig Ressourcen verbrauchen und einfach zu warten, zu reparieren und weiterzuentwickeln sind?

 

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Vorstandssprecher Prof. Helmut Kleine-Kraneburg begrüßt das Publikum, Bild: Uwe Dettmar

Doch über was reden wir eigentlich, wenn wir von Nachhaltigkeit reden?

Was mit dem mittlerweile vernutzten Begriff eigentlich gemeint ist, schärft Professor Dr. Volker Mosbrugger, bis 2020 Generaldirektor des Forschungsinstituts Senckenberg in Frankfurt, in einem anschaulichen Vortrag. Das aus der Forstwirtschaft stammende Prinzip beschreibt den weitsichtigen Umgang mit natürlichen Ressourcen, von denen nur so viel verbraucht werden dürfen, wie auch nachwachsen.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass der Verbrauch des irdischen Naturkapital als Grundlage allen menschlichen Wirtschaftens mit dem Anbruch der Industrialisierung auf der einen Seite zwar einen historisch unerreichten Wohlstand nach sich zog, auf der anderen Seite Folgen zeitigte, die sich gegenwärtig zu einem Bedrohungsszenario für die gesamte Menschheit verdichten.

 

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Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Bild: Uwe Dettmar

„Die Lösung dieses Problems kann nur eine Systemlösung sein, die eine Balance zwischen Natur, Wirtschaft und Gesellschaft herstellt.“ Professor Volker Mosbrugger

 Was heißt das für Architektur und Städtebau? Die Bauwirtschaft konsumiert schließlich nicht nur Energie und Rohstoffe in erheblichem Umfang und mit einer entsprechenden CO2-Bilanz; durch die Errichtung von Häusern, Straßen und Städten ist der Sektor auch für einen enormen Flächenverbrauch und damit die Zerstörung von Natur und Landschaft verantwortlich.

Der Berufsstand muss sich also fragen (lassen), wie er die Nutzung von begrenzt verfügbarem Naturkapital für seine Hervorbringungen nicht allein zu begrenzen, sondern auch zu bilanzieren und zu rechtfertigen gedenkt.

 

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Prof. Hans Kollhoff, Bild: Uwe Dettmar

Einer, der diese Frage nicht nur an sich selbst, sondern auch an seine Kolleginnen und Kollegen richtet, ist Professor Hans Kollhoff. Der Architekt, Jahrgang 1946, gilt als vielleicht bekanntester und sicher wortmächtigste Kritiker des von der EU lancierten sogenannten „New European Bauhaus“, insbesondere dessen Fokussierung auf Kreislaufwirtschaft. Er moniert ein technologieseliges Verständnis von Nachhaltigkeit, das unter Verweis auf Kennziffern und Recyclierbarkeit vor allem material- und technikintensive Strukturen privilegiert und gleichzeitig Abschreibungsfristen von 20, maximal 40 Jahren als gegeben hinnimmt. Aspekte wie Lebensdauer und Reparierbarkeit gerieten mit einem derart verengten Nachhaltigkeitsbegriff genauso ins Hintertreffen wie ästhetisch-gestalterische Qualitäten.

„Die Kreislaufwirtschaft widerspricht dem Selbstverständnis des Architekten und leistet allein dem Profitinteresse der Bauwirtschaft Vorschub.“ Professor Hans Kollhoff

Doch wie ist es um die Lebensdauer, die Reparierbarkeit und die architektonische Güte unserer Städte bestellt? Welche Strukturen erweisen sich dort als nachhaltig? Und wie präsentiert sich die zeitgenössische Architektur, die – wenn man den Verlautbarungen glauben darf – verstanden hat, um was es im Planen und Bauen in Zeiten des Klimawandels geht? Dafür lädt Hans Kollhoff zu einem bilderreichen Spaziergang ein, der vom gründerzeitlichen Berlin über New England in eine Gegenwart führt, an der bauhistorischer Nachlass mit den mal mehr, mal weniger guten Entwürfen für eine Zukunft kollidiert, die längst begonnen hat.

 

Podiumsdiskussion: „Notorische Übeltäter, grüner Schrott“

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Moderator Jens Jakob Happ, Blick auf das Podium; Bilder: Uwe Dettmar

Moderator Jens Jakob Happ eröffnet das Podium mit professionellem Selbstzweifel: „Sind wir Architekten notorische Übeltäter, die nicht dazu lernen, sondern eher verlernen? Natürlich könne man, so Happ, angesichts der ernüchternden Revue von Hans Kollhoff zu dem Schluss kommen, das Bauen ganz einzustellen. Doch angesichts der regierungsamtlich vorgegebenen Ziele im Wohnungsbau – 400.000 neue Wohnungen pro Jahr – und der Einsicht in die Fehler der Vergangenheit stellt sich weniger die Frage nach einem Bau-Moratorium als vielmehr die nach einer Ethik des Bauens.

Ferdinand Heide, Architekt aus Frankfurt, plädiert für ein neues Bauen, das nicht länger Raubbau an der Natur ist und seine Voraussetzungen wie auch seine Methoden einer umfassenden Revision unterzieht. Dafür hat sein Kollege Hans Kollhoff nur wenig Verständnis: „Wenn ich höre, wir müssten anders bauen, stehen mir die Haare zu Berge.“

Er setzt stattdessen bei der Lebensdauer eines Gebäudes an und verweist dafür auf die Wohnhäuser der Gründerzeit, die inzwischen 120 bis 140 Jahre stehen. Einer der Gründe für die seiner Meinung nach für die skandalös verknappte Nutzungsdauer eines heute fertiggestellten Gebäudes sieht er in der immer teureren Haustechnik, die schon binnen zehn Jahren veraltet ist und aufgrund der für eine Modernisierung fälligen Kosten oftmals Abriss und Neubau wirtschaftlicher erscheinen lässt:„Grüner Schrott“ Dass dieser Missstand auch in den ganzen Nachhaltigkeits-Gütesiegeln und -Zertifikaten eingepreist ist, die lediglich von einer auf 50 Jahre befristeten Laufzeit eines Bauwerks ausgehen, müsse Architekten eigentlich auf die Barrikaden schicken, so Kollhoff.

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Helga Kühnhenrich (li.), Ferdinand Heide (re.); Bilder: Uwe Dettmar

Welche heutigen Mittel dabei helfen können, sowohl das Bauen als auch Unterhalt und Betrieb eines Gebäudes nachhaltiger zu gestalten, ist eine Frage, der sich das BBSR mit seinem Innovationsprogramm „Zukunft Bau“ widmet. Dessen Leiterin Helga Kühnhenrich betont, dass die zunehmende Digitalisierung von Planungs- und Bauprozessen kein Selbstzweck sei, sondern dabei helfen solle, klimagerecht, ressourcenschonender und nutzerorientierter zu bauen. Gerade mit Blick auf die Bauwende – Stichwort: Umbau vor Neubau – könnten Instrumente wie BIM und Künstliche Intelligenz dabei helfen, Potenziale besser zu nutzen.

Moderator Jens Jakob Happ wendet ein, dass angesichts einer zunehmend digital- und prozessfixierten Lehre an den Hochschulen der Blick für die Architektur ins Hintertreffen gerate, die sich als Disziplin nicht in der Wahl zwischen digitalen Tools erschöpfen könne, sondern andere, grundlegendere Fragen zu beantworten habe.

Für die Architektin Prof. Elisabeth Endres sind diese weniger mit einem Pro oder Contra Bauen verbunden als vielmehr mit einer sozialphilosophischen , die jede Gesellschaft immer wieder neu diskutieren muss: Was ist ein gutes Leben? Und wie kann Architektur dazu beitragen?

„Es geht bei nachhaltiger Architektur doch um die Frage: Wie wenig ist genug?“ Professorin Elisabeth Endres

Dafür verweist sie auf die Forschungshäuser des Münchner Architekten Florian Nagler. Seine Entwürfe für die drei in Bad Aibling errichteten Gebäude sind ein Gegenentwurf im besten Sinne zur Komplexität und Störanfälligkeit einer technisch und konstruktiv hochgerüsteten Architektur. Die von Handwerksbetrieben errichteten Wohnhäuser kommen mit einschichtigen Deckenkonstruktionen und jeweils in Beton, Holz und Mauerwerk ausgeführten, ebenfalls einschichtigen Wandaufbauten aus sowie und verzichten auf unnötige Annehmlichkeiten wie Sonnenschutz und technische Lüftung.

Informationen zu den Forschungshäusern: einfach-bauen.net

„Das vom BBSR geförderte Vorhaben zeigt, dass sich solche Projekte unter den bestehenden Normen und Regularien realisieren lassen“, betont Helga Kühnhenrich von Zukunft Bau.

Dennoch sorge die Politik dafür, dass suffiziente Architektur nach dem Vorbild der Forschungshäuser ein Nischenprodukt bleibt – durch die widersinnigen Förderprogramme der des Bundes, gibt Elisabeth Endres zu bedenken: „Die KfW konterkariert das, was das BBSR unterstützt“.

Am Ende der mehr als einstündigen Diskussion ist sich die Runde auf dem Podium einig in dem Befund, dass zwar alle das Richtige wollen, aber sich dabei gegenseitig noch viel oft im Weg stehen. Eine Architektur der Nachhaltigkeit muss sich auf eine Bauwirtschaft verlassen können, die mit dem Ressourcen- und Klimaschutz ernst macht und dafür entsprechende politische Rahmenbedingungen braucht. Das klingt nur so einfach.


„Die Relevanz des Gebauten" – Umbaukultur

Hier finden Sie einige Eindrücke der zweiten Veranstaltung unserer Symposiumsreihe „Für eine nachhaltige Architektur der Stadt“ zum Thema „Die Relevanz des Gebauten" – Umbaukultur, welche am 28. November 2022 stattfand.

Eine Aufzeichnung der vollständigen Veranstaltung finden Sie auf YouTube .

Das Symposium wurde in einem Artikel der FAZ zum Thema (hier) und in einem Artikel der Welt (hier) aufgegriffen.

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Das Symposium fand in den Räumlichkeiten des Deutschen Architekturmuseums - DAM Ostend statt.
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Begrüßung durch Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums
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Begrüßung durch Prof. Helmut Kleine-Kraneburg, Vorstandssprecher der Stiftung urban future forum e.V.
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Impulsvortrag von Dr. Thomas Schröer, Jurist, FPS Frankfurt am Main
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Impulsvortrag von Patrick Gmür, Architekt und Stadtplaner aus Zürich
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Diskussionsbeitrag aus dem Publikum
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Podiumsdiskussion mit Moderator Jens Jakob Happ

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Get-together im Anschluss an die Podiumsdiskussion

Fotos: CL


Zu Gast: Marc Grünbaum, Kulturdezernent der Jüdischen Gemeinde Frankfurt

Im besonderen Ambiente des Hauses Metzler in Bonames kamen Herr Marc Grünbaum, Kulturdezernent der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, und Herr Werner D’Inka, Journalist und ehemaliger Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, am 13. Oktober 2022 zu einem Gespräch zum Thema „Jüdische Kultur. Verankert in der Stadtgesellschaft?“ zusammen.

Bereits in den einleitenden Worten von Frau Sylvia von Metzler, Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung und Herrn Professor Helmut Kleine-Kraneburg, Vorstandssprecher der Stiftung, wurde die gesellschaftliche Relevanz um die Bedeutung jüdischer Kultur und die Gefahr von Antisemitismus deutlich. Herr Grünbaum und Herr D’Inka widmeten sich in ihrem Gespräch zunächst einer allgemeinen Bestandsaufnahme jüdischen Lebens in Deutschland und anschließend einer spezifischen Betrachtung jüdischen Lebens in Frankfurt.

Die Frage, wie jüdisches Leben nach der der Schoah in Deutschland aussieht, sei von stetiger Aktualität. Herr Grünbaum erklärte hierzu, dass die Ausgestaltung jüdischen Lebens einer besonderen Aushandlung und innigen Kommunikation zwischen verschiedenen jüdischen Generationen bedarf. Während eine junge Generation für Kontinuität eintrete, stehe eine alte Generation dem Leben in Deutschland anders gegenüber. Allgemein, so argumentiert Grünbaum, dürfe nicht einfach an 1933 angeknüpft werden, da dies geschichtsvergessend wäre. Der Holocaust hat in seiner Grausamkeit einen Bruch geschaffen, weshalb es nach 1945 einer Wiederbegründung geben musste, die sich heute in neuer Kraft und einem reichhaltigen jüdischen Leben zeigt.

Auch die jüdischen Gemeinden in Frankfurt mit 6350 jungen und alten Mitgliedern beschäftigt die Fragen um jüdische Kulturschaffung. Herr Grünbaum machte an dieser Stelle deutlich, dass es viele alte und neue jüdische Traditionen und jüdische Kultur in der Stadt gebe. Es sei die Aufgabe aller, diese wahrzunehmen und dadurch sichtbar und natürlich zu machen. Hierbei wird deutlich, dass sich die Gemeinden immer auch mit der Aufarbeitung von Verbrechen an jüdischem Leben beschäftigen würden, dies aber nicht ihre Hauptaufgabe sei. Statt jüdische Gemeinden als Orte der reinen Bildung und Belehrung zu verstehen, sollten diese eigentlich für das jüdische Leben und die einzelnen Personen stehen. Die Aufarbeitung alter sowie aktueller antisemitischer Übergriffe liege in der Verantwortung der Politik.

Abschließend lädt Herr Grünbaum Interessierte herzlich dazu ein, nach kurzer Voranmeldung an einem Gottesdienst in einer Synagoge, beispielsweise in der Gemeinde im Westend in Frankfurt, teilzunehmen.

Das urban future forum dankt Herrn Grünbaum und Herrn D’Inka für das spannende und aufschlussreiche Gespräch sowie der großzügigen Gastgeberin Sylvia von Metzler herzlich.

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Sylvia von Metzler, Vorsitzende des Kuratoriums
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Marc Grünbaum und Werner D'Inka im Gespräch
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Vorstandssprecher Prof. Helmut Kleine-Kraneburg

Zu Gast: Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorsitzender der Mainova AG

Bei einem Frühstück auf dem Main durften wir am 27. September 2022 Herrn Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorsitzender der Mainova AG, als Gastredner willkommen heißen.

Der Morgen begann mit einer Begrüßung durch unseren Vorstandssprecher Herr Prof. Helmut Kleine-Kraneburg, der eine kurze Einführung in die Vita von Herrn Dr. Alsheimer und die hohe Relevanz des Themas der Energieversorgung gab.

Zum Einstieg in seinen Vortrag bezog sich Herr Dr. Alsheimer auf die Aktualität der „Herausforderung Energiewende“ und legte die Entwicklungen der Strompreise dar. Anschließend führte er die Komplexität der nationalen, europäischen und internationalen Zusammenhänge auf und schnitt an dieser Stelle auch den Angriffskrieg in der Ukraine mit seinen Auswirkungen auf die Gaspreise an. Im Fokus stand dabei die Debatte um erneuerbare Energien, die neben Deutschland auch Frankreich und viele andere Länder erneut mit besonderer Dringlichkeit beschäftigt. Dabei wurde deutlich, dass auch große Energieanbieter nicht immer die Kapazitäten haben, um ausschließlich in erneuerbare Energien zu investieren, weil die Erhaltung der Infrastruktur der konventionellen Energieproduktion oft noch günstiger ist. Die Berücksichtigung der Umwelt in der Debatte ist jedoch nach Herrn Dr. Alsheimer unabdingbar, sodass sich für ihn drei wichtige Kriterien für die Energieversorgung ergeben: Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Als Fazit formulierte Herr Dr. Alsheimer, dass die genauen Entwicklungen der folgenden Monate bis Jahre auch von ExpertInnnen nicht abzusehen sind und somit noch ungewiss bleiben.

Unter den Gästen befanden sich neben interessierten BürgerInnen der Stadt Frankfurt auch TeilnehmerInnen aus Gewerben, die in hoher Abhängigkeit von den Energiepreisen stehen, sowie JournalistInnen des Energiesektors. So ergaben sich in der anschließenden Diskussion viele kritische Nachfragen und der Austausch wurde auch über das Ende der Veranstaltung hinaus fortgeführt.

 

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Foto: Ferdinand Huhle
Blick auf den Main
Foto: Ferdinand Huhle
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Foto: Ferdinand Huhle
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Foto: Ferdinand Huhle

„Bauen als Umweltzerstörung“ - eine Bestandsaufnahme der Nachkriegsarchitektur

Hier finden Sie einige Eindrücke der Auftaktveranstaltung unserer Symposiumsreihe "Für eine nachhaltige Architektur der Stadt".

Zum FAZ-Artikel Abneigung gegen „grünen Schrott“ vom 14.09.2022 über die Veranstaltung gelangen Sie hier.

Sie möchten alle Vorträge und Podiumsbeiträge ansehen? Eine Aufzeichnung steht Ihnen auf YouTube zur Verfügung.

In Kürze folgt hier ein ausführlicher Rückblick auf die Inhalte des Podiumsgesprächs.

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Prof. Helmut Kleine-Kraneburg begrüßt das Publikum, Bild: Uwe Dettmar
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Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Bild: Uwe Dettmar
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Ferdinand Heide, Bild: Uwe Dettmar
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Das Podiumsgespräch, Bild: Uwe Dettmar
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Prof. Elisabeth Endres, Bild: Uwe Dettmar
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Blick auf das Podium, Bild: Uwe Dettmar
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Jens Jakob Happ moderiert das Podiumsgespräch, Bild: Uwe Dettmar
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Prof. Hans Kollhoff, Bild: Uwe Dettmar
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Helga Kühnhenrich, Bild: Uwe Dettmar
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Prof. Helmut Kleine Kraneburg, Bild: Uwe Dettmar

 


Zu Gast: Petra Gerster und Christian Nürnberger

Am 18.05.2022 startete die Stiftung Urban Future Forum e. V. mit einem Lunch auf dem Main in das diesjährige Veranstaltungsprogramm.
Der Vorstandssprecher Helmut Kleine-Kraneburg hieß die Teilnehmenden herzlich willkommen und dankte besonders der Kuratoriumsvorsitzenden Sylvia von Metzler und dem Ehrenvorsitzenden Prof. Dr. Wolfgang Böhm, welche besonders zur Planung dieser Schifffahrt beigetragen haben. Anschließend begrüßte Herr Kleine-Kraneburg Frau Petra Gerster und Herrn Christian Nürnberger, welche ihr gemeinsames Buch „Vermintes Gelände - Wie der Krieg um Wörter unsere Gesellschaft verändert. Die Folgen der Identitätspolitik“ vorstellen und anschließend in eine offene Diskussion mit den Gästen treten würden.

In ihrem Buch thematisieren Gerster und Nürnberger das Thema sensiblen Sprechens, für welches Gerster sich bereits in ihrer Position als Nachrichtenmoderatorin mit dem Verwenden gendergerechter Sprache eingesetzt hat.

In der Vorbereitung auf ihren Vortrag hatte sich das Autorenpaar mit der Frage beschäftigt, ob das Thema ihres Buches, des sensiblen Sprechens, nicht in Anbetracht des Krieges in der Ukraine nachrangig sei. Sie betonten jedoch, dass jedem Krieg Worte vorausgingen. Den Angegriffenen würden zunächst über Sprache ihre Rechte aberkannt und verbal gegen sie gehetzt, bevor physische Taten folgten. Gerster und Nürnberger beschreiben aber auch, wie Personen über Worte Rechte einfordern und Probleme des Rassismus, Klassismus und Sexismus bekämpft werden können. Dabei beziehen sie sich auf aktuelle Ereignisse wie die Kontroverse um die WDR-Talkshow „Die letzte Instanz“, das Buch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ von Alice Hasters und das „Entschuldigungsjahr 2021“.

Auf den Vortrag folgten sehr angeregte Diskussionsbeiträge der Gäste. Die Gäste genossen nicht nur mit den Referierenden, sondern auch miteinander ins Gespräch zu kommen, um sich nach einer langen Zeit der Coronapause wieder Austauschen zu können.

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Urban Future Forum, Foto: Prof. Dr. Wolfgang Böhm


Zu Gast: Gerhard Wiesheu, Präsident von Frankfurt Main Finance

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Es war uns eine große Freude, am 30. September 2021 unsere Mitglieder an Bord der Primus-Linie zu einem Frühstück auf dem Schiff begrüßen zu dürfen.

Herr Gerhard Wiesheu, Mitglied des Vorstands des Bankhauses Metzler und Präsident von Frankfurt Main Finance, bot mit seinem Vortrag zum Thema „Finanzplatz Frankfurt am Main“ einen spannenden Einstieg für eine angeregte Diskussion. Dabei standen insbesondere der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union und dessen Auswirkungen auf das Finanzzentrum Frankfurt am Main im Zentrum. Neben der Thematisierung gegenwärtiger Herausforderungen, die sich unter anderem durch die Pandemie ergeben, wurden vor allem die Möglichkeiten hervorgehoben, die der Brexit und damit einhergehend die Umstrukturierung zahlreicher Londoner Institute mit sich bringt.

 

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Urban Future Forum, Fotos: Prof. Dr. Wolfgang Böhm


Review zur Veranstaltung: Ästhetische Kapitulation des öffentlichen Raums und die Chance auf Verschönerung

Montag, 22. Februar 2021
20:00 Uhr
Livestream auf YouTube

Was ist bloß aus dem öffentlichen Raum in Deutschlands Städten geworden? Seit der Erfindung der Stadt waren die öffentlichen Räume prägende und sinnstiftende Orte, die der politischen Manifestation und Kommunikation ihrer Bewohner dienten. Zudem besaßen sie ihrer Bedeutung entsprechend einen hohen materiellen und ästhetischen Wert. Doch schaut man auf und in deutsche Städte, scheinen diese Werte und die räumlichen Qualitäten des öffentlichen Raums seit einigen Jahren mehr und mehr verloren zu gehen. Die Pandemie, die wir alle gerade durchleben, weist noch einmal auf den bitteren Verlust der Bedeutung des öffentlichen Raums hin. Können wir seine vollends ästhetische Kapitulation verhindern und noch einmal zurückkehren zur gesellschaftlichen Sinnstiftung und Schönheit des öffentlichen Raums?

Der Beantwortung dieser Frage widmete sich die zweite Livestream-Veranstaltung des Urban Future Forum aus der Reihe „STADT“, die in Kooperation mit der Montagsgesellschaft e.V. realisiert wird. In der von Dr. Matthias Alexander, Redakteur der FAZ, moderierten Podiumsrunde diskutierten die Ärztin Dr. Imke Wieters, der Frankfurter Stadtrat Markus Frank und der Architekt Prof. Helmut Kleine-Kraneburg.

Zu Beginn der Diskussion nannte Dr. Matthias Alexander als konkretes Beispiel die zugespitzten Verhältnisse im Bahnhofsviertel und wollte von Dr. Imke Wieters wissen, wie sie als engagierte Anwohnerin die dortige Situation wahrnimmt. Dr. Wieters hob hervor, dass sich die Lage insbesondere im Brennpunkt – der Nidda-, Mosel- und Elbestraße – im letzten Jahr massiv verändert und durch die Corona-Pandemie auch verschärft habe, da sich immer mehr Menschen an wenigen Orten manifestierten und die sozialen Probleme sich dadurch sehr verdichten würden. Dr. Wieters forderte daher mehr Unterstützung für die größtenteils hilflosen Menschen, vor allem im präventiven Bereich, aber auch in städtebaulicher Hinsicht, um die Entstehung von Hotspots zu vermeiden und mehr Raum für die Menschen auf den Straßen zu schaffen. Dr. Wieters sieht es als Aufgabe der Stadt Frankfurt an, – auch in Bezug auf den Ruf als Drogen-Hotspot – konstruktiv und kreativ mit den Problemen umzugehen, soziale Lösungen zu finden und die Ästhetik (des öffentlichen Raums) dabei zurückzustellen.

Markus Frank räumte einerseits ein, dass es in den sogenannten Flussstraßen massive Probleme gebe und dort den Anwohnern mehr zugemutet werde als gut sei. Sowohl soziale Hilfsangebote als auch polizeiliche Maßnahmen müssten verstärkt werden, zudem müsste mehr in Bezug auf Sauberkeit und Ordnung unternommen werden. Andererseits betonte Frank, dass es viele Bereiche im Bahnhofsviertel gebe, die sich sehr gut entwickelt hätten, wie beispielsweise die Kaiserstraße und die Münchner Straße. Dem stimmte Prof. Helmut Kleine-Kraneburg zu. Auch er ist der Meinung, dass sich in den letzten Jahren unheimlich viel getan habe im Bahnhofsviertel, als Beispiel nannte er die Erdgeschoss-Szene in der Kaiserstraße. Kleine-Kraneburg betrachtet das Bahnhofsviertel als große Chance und fast schon als städtisches Zentrum – mit all seinen positiven und negativen Beispielen. Die Ursache für die problematische Situation in den Flussstraßen sieht er darin, dass die soziale Kontrolle sowie insbesondere einfache Dinge des täglichen Lebens, wie Toilettenanlagen und Waschräume, fehlten.

In Bezug auf die Entwicklung des öffentlichen Raums in Frankfurt betonte Kleine-Kraneburg, dass es noch viele Bereiche gebe, die planerisch in Angriff genommen werden müssten, jedoch auch seitens der Stadtpolitik zu wenig unternommen werde. Als Beispiel führte er den Bahnhofsvorplatz an. Für Kleine-Kraneburg geht es dabei nicht nur um die Verschönerung des Stadtraums, sondern für ihn dient der städtische Raum auch als wesentliches Identifikationsmittel für eine Stadt. Frank hingegen äußerte die Meinung, dass sich der Stadtraum in Frankfurt positiv entwickelt habe. Beispielsweise am Mainufer seien viele urbane Orte entstanden, an denen die Menschen sich gerne aufhielten. Zudem sei der kontinuierliche Zuzug von vielen meist jungen Leuten ein deutlicher Indikator, dass Frankfurt als sehr attraktiv wahrgenommen werde.

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Ein weiteres Thema, das in der Diskussion mehrfach aufgegriffen wurde, ist das Verkehrskonzept und die Mobilitätswende in Frankfurt. Kleine-Kraneburg vermisst diesbezüglich einen klaren und zukunftsorientieren Fokus bei der Stadtplanung. Eine der wenigen sichtbaren Veränderungen seien die aufgestellten Plastikbarken, die Kleine-Kraneburg zufolge eine „ästhetische Vermüllung“ des Straßenbildes darstellten und zu einem Dauer-Provisorium würden. Ähnlich verhalte es sich mit den Betonwürfeln auf dem Opernplatz und der Zeil. Selbstverständlich sei der Sicherheitsaspekt von Belang, jedoch müsse dies auch in einer ästhetischeren Form umgesetzt werden können, äußerte Kleine-Kraneburg. Für ihn gehören Infrastruktur und Verkehr sinnstiftend mit zum Stadtraum, daher müsse planungs-technisch mehr passieren als dies bisher der Fall ist. Frank wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Betonpoller ursprünglich als temporäre Maßnahmen gedacht waren und er bereits mit Kollegen einen Katalog erstellt habe, in dem Möglichkeiten für eine ästhetische Gefahrenabwehr im Stadtraum gesammelt wurden. Dies müsse jedoch finanziert und von den zuständigen Ortsbeiräten auch umgesetzt werden. Sowohl Kleine-Kraneburg als auch Frank machten deutlich, dass es in Europa oder auch anderen deutschen Städte viele Beispiele gebe, die zeigten, dass Konzepte für die Verkehrswende auch ästhetisch gestaltet werden könnten.

Um Konzepte für einen attraktiveren öffentlichen Raum auszuarbeiten, brauche es laut Frank zudem eine allgemeine Bewusstseinsveränderung und ein Gefühl des Miteinanders. Das Bewusstsein für den öffentlichen Raum sei jedoch nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch bei den Politiker/innen verschieden, daher sei dies ein langwieriger Prozess. Darüber hinaus müsse für eine erfolgreiche Verkehrswende, Frank zufolge, der öffentliche Personennahverkehr attraktiver gestaltet werden. Es brauche saubere und sichere Verkehrsmittel, damit mehr Menschen den ÖPNV nutzen, um in die Innenstadt zu kommen. Zugleich betonte Frank, müsse für eine lebendige Innenstadt auch das Auto bei den Planungen berücksichtigt werden. Für eine attraktive Innenstadt müsse zudem der Einzelhandel seinen Beitrag leisten. Frank wünscht sich für Zukunft der Stadt, dass die Menschen im Einzelhandel mehr und neuere Produkte erwerben können als auf Online-Plattformen wie Amazon. Die Innenstadt müsse den Menschen einen Zusatz-Nutzen bieten und zudem ästhetisch gestaltet sein, um ein Erlebnisraum zu werden, den Menschen gerne zum Verweilen aufsuchen.

Die Veranstaltung hat deutlich gemacht, dass zwar in Bereichen des Bahnhofsviertels die ästhetische Kapitulation des öffentlichen Raums voranschreitet, es jedoch ebenso immer mehr Stadtteile gibt, die auch unter ästhetischen Gesichtspunkten eine positive Entwicklung aufzeigen können. Um vollends zur gesellschaftlichen Sinnstiftung des öffentlichen Raums zurückkehren zu können, muss nicht nur die Politik, sondern auch jede/r einzelne Bürger/in einen Beitrag leisten.
Auch die rege Beteiligung über den Livechat hat demonstriert, dass in der Frankfurter Bevölkerung viel Diskussionsbedarf beim Thema des öffentlichen Raums besteht. Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserer Veranstaltung einen intensiven Austausch zu diesem wichtigen Thema ermöglichen konnten.

Die Stiftung Urban Future Forum e.V. dankt der Wirtschaftsförderung für das Sponsoring der Veranstaltung.

 

(Text: Hannah Maser, Team Urban Future Forum e.V.;
Fotos: Prof. Dr. Wolfgang Böhm / Steven Jedlicki, Vorstand Urban Future Forum e.V.)

 

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Ästhetische Kapitulation des öffentlichen Raums und die Chance auf Verschönerung

Montag, 22. Februar 2021
20:00 Uhr
Livestream auf YouTube

Was ist bloß aus dem öffentlichen Raum in Deutschlands Städten geworden?
Seit der Erfindung der Stadt waren die öffentlichen Räume prägende und sinnstiftende Orte, die der politischen Manifestation und Kommunikation ihrer Bewohner dienten. Zudem besaßen sie ihrer Bedeutung entsprechend einen hohen materiellen und ästhetischen Wert. Dieser drückte sich nicht nur durch die meist zentrale Lage in der Mitte der Stadt aus, sondern auch und gerade durch ihre behutsame und materiell qualitätsvolle Gestaltung.
Schaut man auf und in deutsche Städte, scheinen diese Werte und räumlichen Qualitäten des öffentlichen Raums seit einigen Jahren mehr und mehr verloren zu gehen. Städtische Räume verkommen immer mehr zu reinen infrastrukturellen und verkehrsbestimmten Orten, die zusehends der reinen Durchquerung dienen ohne Verweil- oder gar Aufenthaltsqualitäten. Andere gar werden zu sozialen Brennpunkten geprägt von Drogensucht, Kriminalität und zunehmender Obdachlosigkeit.
Die Pandemie, die wir alle gerade durchleben, weist noch einmal auf den bitteren Verlust der Bedeutung des öffentlichen Raums hin. Können wir seine vollends ästhetische Kapitulation verhindern und noch einmal zurückkehren zur gesellschaftlichen Sinnstiftung und Schönheit des öffentlichen Raums?

Dieser Sorge Raum zu geben, dient die Veranstaltung mit dem Frankfurter Stadtrat Markus Frank, dem Frankfurter Architekten Prof. Helmut Kleine-Kraneburg, der Ärztin Dr. Imke Wieters und dem Redakteur der FAZ, Dr. Matthias Alexander.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "STADT" und wird in Kooperation mit der Montagsgesellschaft e.V. realisiert. Der Livestream kann unter dem Link https://youtu.be/JFo1HkvnJeg gesehen werden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

PROGRAMM

Begrüßung
Prof. Dr. Wolfgang Böhm, Vorstandssprecher des Urban Future Forum, zusammen mit Dr. Stefan Söhngen, Leiter der Montagsgesellschaft

Diskussion
Stadtrat Markus Frank, Stadt Frankfurt am Main
Prof. Helmut Kleine-Kraneburg, Architekt
Dr. Imke Wieters, Ärztin

Moderation
Dr. Matthias Alexander, Redakteur der FAZ

 

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Review zur Veranstaltung: Gastronomie und Hotellerie als Motoren der Stadtentwicklung: Die Krise als Chance oder finaler Shutdown?

Montag, 18. Januar 2021
19:00 Uhr
Livestream auf YouTube

Das Coronavirus stellt Gastronomie und Hotellerie vor große Probleme: Die Branche verzeichnet einen massiven Umsatzeinbruch und kämpft seit Monaten ums Überleben. Die Einschränkungen im Gastgewerbe könnten irreversible Folgen für unsere Städte haben: Tourismus, Bar- und Kneipenszene, das kulturelle Leben der Großstadt sind weitgehend zum Erliegen gekommen. Den pulsierenden Metropolen wurde eine Zwangspause verordnet. Wie lange kann das gut gehen? Wie verändern leere und geschlossene Gaststätten und Hotels unsere Städte? Welche Lösungen und Ideen aus der Krise gibt es?

Der Beantwortung dieser Fragen widmete sich die erste Livestream-Veranstaltung des Urban Future Forum im neuen Jahr 2021. Die Veranstaltung war die erste von insgesamt fünf aus der Reihe „STADT“, die in Kooperation mit der Montagsgesellschaft e.V. realisiert wird.

In der von Dr. Stefan Söhngen moderierten Podiumsrunde diskutierten der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins „Food Service“ sowie Klaus Beine vom Wirtschaftsrat Hessen.

Boris Tomic betonte gleich zu Beginn, dass es der Branche extrem schlecht gehe. Innenstadt-Hotels hätten derzeit nicht mehr als 20% Auslastung und das Take-away-Geschäft in der Gastronomie kompensiere nur maximal 15-25% der gewohnten Umsätze. Es gebe zwar durchaus kreative Konzepte, wie beispielsweise Drive-through-Varianten mit Rollerblades, jedoch seien geschlossene Restaurants auf Dauer nicht durchzuhalten. Hinzu kommt, dass viele Gastronomen in die Umsetzung von Hygienevorschriften investiert hätten und auch ein Großteil der versprochenen Staatshilfen noch nicht geflossen sei. Laut einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) stehen 80% der Gastronomiebetriebe bis Mitte des Jahres vor der Insolvenz. In Bezug auf die noch nicht angekommenen Staatshilfen wies Tomic zudem darauf hin, dass es extreme Software-Probleme und verschiedenste Abstimmungsprobleme zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Finanzministerium gebe.

Auch Klaus Beine kritisierte die noch nicht geflossenen Fördermittel. Betreibern bliebe nur der Klageweg, um nicht erhaltende Mittel rückwirkend einzufordern. Beine hätte sich zudem differenziertere Konzepte für die Branche gewünscht, insbesondere im Hinblick auf die Außengastronomie hätten mit Heizpilzen, Abstandsregeln und Masken Möglichkeiten für die kalte Jahreszeit entwickelt werden können.

Peter Feldmann nannte einige Ideen aus dem Mitte Januar vorgestellten „Frankfurt-Plan“, der eine Wiederbelebung der Frankfurter Innenstadt nach dem Lockdown anstrebt. So gebe es beispielsweise die Überlegung für „Night-Shopping“-Events, für diverse Gutscheinaktionen sowie für die Aktion „Gast in der eigenen Stadt“, die Frankfurtern Übernachtungen in Frankfurter Hotels zu einem reduzierten Preis anbiete. Daneben gebe es Konzepte für ein Leerstandsmanagement z.B. durch Pop-up-Stores, sodass leere Schaufensterscheiben mit kreativen Ideen gefüllt werden könnten.

Beine hielt dagegen, dass Vermieter an solchen Pop-up-Stores kein Interesse hätten, da sie damit keine Einnahmen erzielten. Darüber hinaus kritisierte er, dass Feldmann zwar einerseits die Innenstädte beleben möchte, andererseits jedoch verkehrspolitisch dichtmache. Das Auto wolle aus der Stadt verbannt werden, verschiedene Beruhigungsmaßnahmen und Parkhausgebühren führten dazu, dass immer weniger Leute in die Stadt fahren wollten. Beine forderte daher ein Umdenken in der Form, dass ein „Verweil-Komfort“ geschaffen werde und die Leute dazu eingeladen würden, bequem mit dem Auto in der Stadt einzukaufen.

Auch Tomic bemängelte, dass die von Feldmann vorgestellten Ideen zu kurzgefasst seien. Er betonte, dass diese Pandemie die Innenstädte massiv verändern werde. Um dies zu veranschaulichen wies er auf eine Umfrage des Deutschen Handelsverbandes hin, der zufolge 23% der Einzelhändler im ersten Halbjahr 2021 ihre Geschäfte aufgeben müssen und weitere 28% im zweiten Halbjahr. Es brauche daher, so Tomic, langfristige Konzepte, welche die Situation in fünf bis fünfzehn Jahren ins Auge fassten. Die Diskussion habe gezeigt, dass der Wunschtraum von der Innenstadt der Zukunft eine Kombination aus Wohnen, Gastronomie, Kultur und Grünflächen ist und dies müsse auch über die Architektur geschaffen werden. Tomic wünsche sich daher, dass die Stadt Frankfurt ein Citymarketing entwickle, das Frankfurt „mindestens so attraktiv macht, wie es vor der Pandemie war“.

Die Veranstaltung hat deutlich gemacht, dass Gastronomie und Hotellerie sowohl Wachstumstreiber als auch eine Bereicherung des urbanen Raums und Geschehens waren. Es ist jedoch nicht nur von Belang, die Situation des Gastgewerbes während und infolge der Corona-Pandemie zu diskutieren, sondern auch grundsätzlich die zukünftige Rolle von Gastronomie und Hotellerie zu erörtern. Dies kam leider aufgrund der Kürze der Zeit zu kurz, da das Gespräch mehrmals in die größere Thematik der Verödung der Innenstädte schwenkte. Es war somit eine Diskussion, die zur weiteren, intensiveren Betrachtung des Themas der Gastronomie und Hotellerie einlädt, was wir in zukünftigen Veranstaltungen gerne erneut aufgreifen möchten.

 

(Text: Hannah Maser, Mitarbeiterin des Urban Future Forum e.V.)

 

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