Review zur Veranstaltung: Ästhetische Kapitulation des öffentlichen Raums und die Chance auf Verschönerung

Montag, 22. Februar 2021
20:00 Uhr
Livestream auf YouTube

Was ist bloß aus dem öffentlichen Raum in Deutschlands Städten geworden? Seit der Erfindung der Stadt waren die öffentlichen Räume prägende und sinnstiftende Orte, die der politischen Manifestation und Kommunikation ihrer Bewohner dienten. Zudem besaßen sie ihrer Bedeutung entsprechend einen hohen materiellen und ästhetischen Wert. Doch schaut man auf und in deutsche Städte, scheinen diese Werte und die räumlichen Qualitäten des öffentlichen Raums seit einigen Jahren mehr und mehr verloren zu gehen. Die Pandemie, die wir alle gerade durchleben, weist noch einmal auf den bitteren Verlust der Bedeutung des öffentlichen Raums hin. Können wir seine vollends ästhetische Kapitulation verhindern und noch einmal zurückkehren zur gesellschaftlichen Sinnstiftung und Schönheit des öffentlichen Raums?

Der Beantwortung dieser Frage widmete sich die zweite Livestream-Veranstaltung des Urban Future Forum aus der Reihe „STADT“, die in Kooperation mit der Montagsgesellschaft e.V. realisiert wird. In der von Dr. Matthias Alexander, Redakteur der FAZ, moderierten Podiumsrunde diskutierten die Ärztin Dr. Imke Wieters, der Frankfurter Stadtrat Markus Frank und der Architekt Prof. Helmut Kleine-Kraneburg.

Zu Beginn der Diskussion nannte Dr. Matthias Alexander als konkretes Beispiel die zugespitzten Verhältnisse im Bahnhofsviertel und wollte von Dr. Imke Wieters wissen, wie sie als engagierte Anwohnerin die dortige Situation wahrnimmt. Dr. Wieters hob hervor, dass sich die Lage insbesondere im Brennpunkt – der Nidda-, Mosel- und Elbestraße – im letzten Jahr massiv verändert und durch die Corona-Pandemie auch verschärft habe, da sich immer mehr Menschen an wenigen Orten manifestierten und die sozialen Probleme sich dadurch sehr verdichten würden. Dr. Wieters forderte daher mehr Unterstützung für die größtenteils hilflosen Menschen, vor allem im präventiven Bereich, aber auch in städtebaulicher Hinsicht, um die Entstehung von Hotspots zu vermeiden und mehr Raum für die Menschen auf den Straßen zu schaffen. Dr. Wieters sieht es als Aufgabe der Stadt Frankfurt an, – auch in Bezug auf den Ruf als Drogen-Hotspot – konstruktiv und kreativ mit den Problemen umzugehen, soziale Lösungen zu finden und die Ästhetik (des öffentlichen Raums) dabei zurückzustellen.

Markus Frank räumte einerseits ein, dass es in den sogenannten Flussstraßen massive Probleme gebe und dort den Anwohnern mehr zugemutet werde als gut sei. Sowohl soziale Hilfsangebote als auch polizeiliche Maßnahmen müssten verstärkt werden, zudem müsste mehr in Bezug auf Sauberkeit und Ordnung unternommen werden. Andererseits betonte Frank, dass es viele Bereiche im Bahnhofsviertel gebe, die sich sehr gut entwickelt hätten, wie beispielsweise die Kaiserstraße und die Münchner Straße. Dem stimmte Prof. Helmut Kleine-Kraneburg zu. Auch er ist der Meinung, dass sich in den letzten Jahren unheimlich viel getan habe im Bahnhofsviertel, als Beispiel nannte er die Erdgeschoss-Szene in der Kaiserstraße. Kleine-Kraneburg betrachtet das Bahnhofsviertel als große Chance und fast schon als städtisches Zentrum – mit all seinen positiven und negativen Beispielen. Die Ursache für die problematische Situation in den Flussstraßen sieht er darin, dass die soziale Kontrolle sowie insbesondere einfache Dinge des täglichen Lebens, wie Toilettenanlagen und Waschräume, fehlten.

In Bezug auf die Entwicklung des öffentlichen Raums in Frankfurt betonte Kleine-Kraneburg, dass es noch viele Bereiche gebe, die planerisch in Angriff genommen werden müssten, jedoch auch seitens der Stadtpolitik zu wenig unternommen werde. Als Beispiel führte er den Bahnhofsvorplatz an. Für Kleine-Kraneburg geht es dabei nicht nur um die Verschönerung des Stadtraums, sondern für ihn dient der städtische Raum auch als wesentliches Identifikationsmittel für eine Stadt. Frank hingegen äußerte die Meinung, dass sich der Stadtraum in Frankfurt positiv entwickelt habe. Beispielsweise am Mainufer seien viele urbane Orte entstanden, an denen die Menschen sich gerne aufhielten. Zudem sei der kontinuierliche Zuzug von vielen meist jungen Leuten ein deutlicher Indikator, dass Frankfurt als sehr attraktiv wahrgenommen werde.

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Ein weiteres Thema, das in der Diskussion mehrfach aufgegriffen wurde, ist das Verkehrskonzept und die Mobilitätswende in Frankfurt. Kleine-Kraneburg vermisst diesbezüglich einen klaren und zukunftsorientieren Fokus bei der Stadtplanung. Eine der wenigen sichtbaren Veränderungen seien die aufgestellten Plastikbarken, die Kleine-Kraneburg zufolge eine „ästhetische Vermüllung“ des Straßenbildes darstellten und zu einem Dauer-Provisorium würden. Ähnlich verhalte es sich mit den Betonwürfeln auf dem Opernplatz und der Zeil. Selbstverständlich sei der Sicherheitsaspekt von Belang, jedoch müsse dies auch in einer ästhetischeren Form umgesetzt werden können, äußerte Kleine-Kraneburg. Für ihn gehören Infrastruktur und Verkehr sinnstiftend mit zum Stadtraum, daher müsse planungs-technisch mehr passieren als dies bisher der Fall ist. Frank wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Betonpoller ursprünglich als temporäre Maßnahmen gedacht waren und er bereits mit Kollegen einen Katalog erstellt habe, in dem Möglichkeiten für eine ästhetische Gefahrenabwehr im Stadtraum gesammelt wurden. Dies müsse jedoch finanziert und von den zuständigen Ortsbeiräten auch umgesetzt werden. Sowohl Kleine-Kraneburg als auch Frank machten deutlich, dass es in Europa oder auch anderen deutschen Städte viele Beispiele gebe, die zeigten, dass Konzepte für die Verkehrswende auch ästhetisch gestaltet werden könnten.

Um Konzepte für einen attraktiveren öffentlichen Raum auszuarbeiten, brauche es laut Frank zudem eine allgemeine Bewusstseinsveränderung und ein Gefühl des Miteinanders. Das Bewusstsein für den öffentlichen Raum sei jedoch nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch bei den Politiker/innen verschieden, daher sei dies ein langwieriger Prozess. Darüber hinaus müsse für eine erfolgreiche Verkehrswende, Frank zufolge, der öffentliche Personennahverkehr attraktiver gestaltet werden. Es brauche saubere und sichere Verkehrsmittel, damit mehr Menschen den ÖPNV nutzen, um in die Innenstadt zu kommen. Zugleich betonte Frank, müsse für eine lebendige Innenstadt auch das Auto bei den Planungen berücksichtigt werden. Für eine attraktive Innenstadt müsse zudem der Einzelhandel seinen Beitrag leisten. Frank wünscht sich für Zukunft der Stadt, dass die Menschen im Einzelhandel mehr und neuere Produkte erwerben können als auf Online-Plattformen wie Amazon. Die Innenstadt müsse den Menschen einen Zusatz-Nutzen bieten und zudem ästhetisch gestaltet sein, um ein Erlebnisraum zu werden, den Menschen gerne zum Verweilen aufsuchen.

Die Veranstaltung hat deutlich gemacht, dass zwar in Bereichen des Bahnhofsviertels die ästhetische Kapitulation des öffentlichen Raums voranschreitet, es jedoch ebenso immer mehr Stadtteile gibt, die auch unter ästhetischen Gesichtspunkten eine positive Entwicklung aufzeigen können. Um vollends zur gesellschaftlichen Sinnstiftung des öffentlichen Raums zurückkehren zu können, muss nicht nur die Politik, sondern auch jede/r einzelne Bürger/in einen Beitrag leisten.
Auch die rege Beteiligung über den Livechat hat demonstriert, dass in der Frankfurter Bevölkerung viel Diskussionsbedarf beim Thema des öffentlichen Raums besteht. Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserer Veranstaltung einen intensiven Austausch zu diesem wichtigen Thema ermöglichen konnten.

Die Stiftung Urban Future Forum e.V. dankt der Wirtschaftsförderung für das Sponsoring der Veranstaltung.

 

(Text: Hannah Maser, Team Urban Future Forum e.V.;
Fotos: Prof. Dr. Wolfgang Böhm / Steven Jedlicki, Vorstand Urban Future Forum e.V.)

 

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Ästhetische Kapitulation des öffentlichen Raums und die Chance auf Verschönerung

Montag, 22. Februar 2021
20:00 Uhr
Livestream auf YouTube

Was ist bloß aus dem öffentlichen Raum in Deutschlands Städten geworden?
Seit der Erfindung der Stadt waren die öffentlichen Räume prägende und sinnstiftende Orte, die der politischen Manifestation und Kommunikation ihrer Bewohner dienten. Zudem besaßen sie ihrer Bedeutung entsprechend einen hohen materiellen und ästhetischen Wert. Dieser drückte sich nicht nur durch die meist zentrale Lage in der Mitte der Stadt aus, sondern auch und gerade durch ihre behutsame und materiell qualitätsvolle Gestaltung.
Schaut man auf und in deutsche Städte, scheinen diese Werte und räumlichen Qualitäten des öffentlichen Raums seit einigen Jahren mehr und mehr verloren zu gehen. Städtische Räume verkommen immer mehr zu reinen infrastrukturellen und verkehrsbestimmten Orten, die zusehends der reinen Durchquerung dienen ohne Verweil- oder gar Aufenthaltsqualitäten. Andere gar werden zu sozialen Brennpunkten geprägt von Drogensucht, Kriminalität und zunehmender Obdachlosigkeit.
Die Pandemie, die wir alle gerade durchleben, weist noch einmal auf den bitteren Verlust der Bedeutung des öffentlichen Raums hin. Können wir seine vollends ästhetische Kapitulation verhindern und noch einmal zurückkehren zur gesellschaftlichen Sinnstiftung und Schönheit des öffentlichen Raums?

Dieser Sorge Raum zu geben, dient die Veranstaltung mit dem Frankfurter Stadtrat Markus Frank, dem Frankfurter Architekten Prof. Helmut Kleine-Kraneburg, der Ärztin Dr. Imke Wieters und dem Redakteur der FAZ, Dr. Matthias Alexander.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "STADT" und wird in Kooperation mit der Montagsgesellschaft e.V. realisiert. Der Livestream kann unter dem Link https://youtu.be/JFo1HkvnJeg gesehen werden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

PROGRAMM

Begrüßung
Prof. Dr. Wolfgang Böhm, Vorstandssprecher des Urban Future Forum, zusammen mit Dr. Stefan Söhngen, Leiter der Montagsgesellschaft

Diskussion
Stadtrat Markus Frank, Stadt Frankfurt am Main
Prof. Helmut Kleine-Kraneburg, Architekt
Dr. Imke Wieters, Ärztin

Moderation
Dr. Matthias Alexander, Redakteur der FAZ

 

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Review zur Veranstaltung: Gastronomie und Hotellerie als Motoren der Stadtentwicklung: Die Krise als Chance oder finaler Shutdown?

Montag, 18. Januar 2021
19:00 Uhr
Livestream auf YouTube

Das Coronavirus stellt Gastronomie und Hotellerie vor große Probleme: Die Branche verzeichnet einen massiven Umsatzeinbruch und kämpft seit Monaten ums Überleben. Die Einschränkungen im Gastgewerbe könnten irreversible Folgen für unsere Städte haben: Tourismus, Bar- und Kneipenszene, das kulturelle Leben der Großstadt sind weitgehend zum Erliegen gekommen. Den pulsierenden Metropolen wurde eine Zwangspause verordnet. Wie lange kann das gut gehen? Wie verändern leere und geschlossene Gaststätten und Hotels unsere Städte? Welche Lösungen und Ideen aus der Krise gibt es?

Der Beantwortung dieser Fragen widmete sich die erste Livestream-Veranstaltung des Urban Future Forum im neuen Jahr 2021. Die Veranstaltung war die erste von insgesamt fünf aus der Reihe „STADT“, die in Kooperation mit der Montagsgesellschaft e.V. realisiert wird.

In der von Dr. Stefan Söhngen moderierten Podiumsrunde diskutierten der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins „Food Service“ sowie Klaus Beine vom Wirtschaftsrat Hessen.

Boris Tomic betonte gleich zu Beginn, dass es der Branche extrem schlecht gehe. Innenstadt-Hotels hätten derzeit nicht mehr als 20% Auslastung und das Take-away-Geschäft in der Gastronomie kompensiere nur maximal 15-25% der gewohnten Umsätze. Es gebe zwar durchaus kreative Konzepte, wie beispielsweise Drive-through-Varianten mit Rollerblades, jedoch seien geschlossene Restaurants auf Dauer nicht durchzuhalten. Hinzu kommt, dass viele Gastronomen in die Umsetzung von Hygienevorschriften investiert hätten und auch ein Großteil der versprochenen Staatshilfen noch nicht geflossen sei. Laut einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) stehen 80% der Gastronomiebetriebe bis Mitte des Jahres vor der Insolvenz. In Bezug auf die noch nicht angekommenen Staatshilfen wies Tomic zudem darauf hin, dass es extreme Software-Probleme und verschiedenste Abstimmungsprobleme zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Finanzministerium gebe.

Auch Klaus Beine kritisierte die noch nicht geflossenen Fördermittel. Betreibern bliebe nur der Klageweg, um nicht erhaltende Mittel rückwirkend einzufordern. Beine hätte sich zudem differenziertere Konzepte für die Branche gewünscht, insbesondere im Hinblick auf die Außengastronomie hätten mit Heizpilzen, Abstandsregeln und Masken Möglichkeiten für die kalte Jahreszeit entwickelt werden können.

Peter Feldmann nannte einige Ideen aus dem Mitte Januar vorgestellten „Frankfurt-Plan“, der eine Wiederbelebung der Frankfurter Innenstadt nach dem Lockdown anstrebt. So gebe es beispielsweise die Überlegung für „Night-Shopping“-Events, für diverse Gutscheinaktionen sowie für die Aktion „Gast in der eigenen Stadt“, die Frankfurtern Übernachtungen in Frankfurter Hotels zu einem reduzierten Preis anbiete. Daneben gebe es Konzepte für ein Leerstandsmanagement z.B. durch Pop-up-Stores, sodass leere Schaufensterscheiben mit kreativen Ideen gefüllt werden könnten.

Beine hielt dagegen, dass Vermieter an solchen Pop-up-Stores kein Interesse hätten, da sie damit keine Einnahmen erzielten. Darüber hinaus kritisierte er, dass Feldmann zwar einerseits die Innenstädte beleben möchte, andererseits jedoch verkehrspolitisch dichtmache. Das Auto wolle aus der Stadt verbannt werden, verschiedene Beruhigungsmaßnahmen und Parkhausgebühren führten dazu, dass immer weniger Leute in die Stadt fahren wollten. Beine forderte daher ein Umdenken in der Form, dass ein „Verweil-Komfort“ geschaffen werde und die Leute dazu eingeladen würden, bequem mit dem Auto in der Stadt einzukaufen.

Auch Tomic bemängelte, dass die von Feldmann vorgestellten Ideen zu kurzgefasst seien. Er betonte, dass diese Pandemie die Innenstädte massiv verändern werde. Um dies zu veranschaulichen wies er auf eine Umfrage des Deutschen Handelsverbandes hin, der zufolge 23% der Einzelhändler im ersten Halbjahr 2021 ihre Geschäfte aufgeben müssen und weitere 28% im zweiten Halbjahr. Es brauche daher, so Tomic, langfristige Konzepte, welche die Situation in fünf bis fünfzehn Jahren ins Auge fassten. Die Diskussion habe gezeigt, dass der Wunschtraum von der Innenstadt der Zukunft eine Kombination aus Wohnen, Gastronomie, Kultur und Grünflächen ist und dies müsse auch über die Architektur geschaffen werden. Tomic wünsche sich daher, dass die Stadt Frankfurt ein Citymarketing entwickle, das Frankfurt „mindestens so attraktiv macht, wie es vor der Pandemie war“.

Die Veranstaltung hat deutlich gemacht, dass Gastronomie und Hotellerie sowohl Wachstumstreiber als auch eine Bereicherung des urbanen Raums und Geschehens waren. Es ist jedoch nicht nur von Belang, die Situation des Gastgewerbes während und infolge der Corona-Pandemie zu diskutieren, sondern auch grundsätzlich die zukünftige Rolle von Gastronomie und Hotellerie zu erörtern. Dies kam leider aufgrund der Kürze der Zeit zu kurz, da das Gespräch mehrmals in die größere Thematik der Verödung der Innenstädte schwenkte. Es war somit eine Diskussion, die zur weiteren, intensiveren Betrachtung des Themas der Gastronomie und Hotellerie einlädt, was wir in zukünftigen Veranstaltungen gerne erneut aufgreifen möchten.

 

(Text: Hannah Maser, Mitarbeiterin des Urban Future Forum e.V.)

 

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Gastronomie und Hotellerie als Motoren der Stadtentwicklung: Die Krise als Chance oder finaler Shutdown?

Montag, 18. Januar 2021
19:00 Uhr
Livestream auf YouTube

Das Coronavirus stellt Gastronomie und Hotellerie vor massive Probleme: Den etwa 200.000 Betrieben der Branche gingen schon bis Ende April 2020 schätzungsweise zehn Milliarden Euro Umsatz verloren. Die anhaltende Pandemie und der zweite „harte Lockdown“ treffen nun erneut mit voller Wucht eine Branche, die seit Monaten ums Überleben kämpft. Die Einschränkungen im Gastgewerbe könnten irreversible Folgen für unsere Städte haben: Tourismus, Bar- und Kneipenszene, das kulturelle Leben der Großstadt sind weitgehend zum Erliegen gekommen. Den pulsierenden Metropolen wurde eine Zwangspause verordnet. Wie lange kann das gut gehen? Wie verändern leere und geschlossene Gaststätten und Hotels unsere Städte? Welche Lösungen und Ideen aus der Krise gibt es?

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "STADT" und wird in Kooperation mit der Montagsgesellschaft e.V. realisiert. Der Livestream kann unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=GTtwfWMR6qs gesehen werden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

PROGRAMM

Impuls
Birgit Böhn, Rechtsanwältin, Principal Associate Hospitality, KUCERA Rechtsanwälte

Diskussion
Oberbürgermeister Peter Feldmann, Stadt Frankfurt am Main
Boris Tomic, Chefredakteur „Food Service“, dfv Mediengruppe
Klaus Beine, Vorsitzender der Landesfachkommission "Immobilien- & Baupolitik" im Wirtschaftsrat Hessen

Moderation
Dr. Stefan Söhngen (Montagsgesellschaft e.V.)

 

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Zur Zukunft der Stadt

Die Bürgerstiftung Urban Future Forum e. V. beschäftigt sich mit der Zukunft der europäischen Stadt. Prof. Dr. Wolfgang Böhm, Architekt und Sprecher des Vorstands der Stiftung Urban Future Forum e. V., stellt die stadtpolitischen Grundsätze für die Zukunft der europäischen Stadt vor.

Gesellschaft im Wandel
Weltweit lebt die Mehrheit der Bevölkerung heute in Städten. In ihnen verdichten sich globale Entwicklungen, wie z. B. die sich öffnende Schere zwischen Reich und Arm, wiederkehrende Krisen der Ökonomie und die zunehmende Belastung der Umwelt. Städte gelten aber auch nach wie vor als Orte der Prosperität, der Liberalität, Toleranz und kulturellen Vielfalt. Sie waren und sind Schauplätze politischer Emanzipation und „Labore“ gesellschaftlichen Wandels. „Die Bedeutung der Städte für die demokratischen Grundwerte, für die gesellschaftlichen Entwicklungen, für den wirtschaftlichen Fortschritt, für Bildung und Kultur ist weitaus größer als der politische Stellenwert, der ihnen zugebilligt wird“, so die damalige Präsidentin des Deutschen Städtetages und langjährige Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt, Petra Roth, bei der Jubiläumshauptversammlung „100 Jahre Deutscher Städtetag“ im Mai 2005.

Die Stadt und die Gesellschaft
Die „soziale Stadt“ als Modell für den Interessenausgleich der Stadtbevölkerung steckt tief in der Krise. Gleichzeitig steigt der Umfang der sozialen Integrationsaufgaben der Städte gegenüber den Verlierern der gesellschaftlichen und der ökonomischen Modernisierung von heute und den ethnischen Minderheiten von morgen. Wie wirken sich die
massiven Desintegrationsprozesse auf die Integration von Teilen der Mehrheitsbevölkerung und Minderheiten aus? Welche Konfliktpotentiale existieren, und mit welchen Konflikten müssen wir in der nahen Zukunft rechnen?

Altern in der Stadt
Altern in der Stadt führt zu zahlreichen Marktanpassungen auf den Immobilienmärkten, auf den Gütermärkten, auf den Dienstleistungsmärkten. Ein besonderes Gewicht haben die Anpassungsbedarfe beim Wohnen. Für ältere Menschen ist die Wohnung der Lebensmittelpunkt. Die großen Herausforderungen an das Wohnen und zukünftige Wohnformen sind: Altern und Singularisierung, Integriertes Wohnen, Mehrgenerationen-Wohnen, Wohngemeinschaften.
Altern ist verbunden mit Distanzempfindlichkeit und dem Bedürfnis der Nahräumlichkeit. Diese Kennzeichen des Alterns werten das Wohnen und dessen Nahbereiche als Ort des Lebenszusammenhangs auf. Die Wohnbedingungen Wohnung, Wohnumfeld, Plätze und Straßen, Wege und Parks müssen selbstbestimmtes Leben auch im Alter fördern und ein nachhaltiges gesellschaftliches Engagement der Alten ermöglichen.

Die Jungen in der Stadt
Die Jungen in der Stadt wollen die Verbindung von Familie und Beruf. Das ist nach wie vor ein zentrales Ziel der privaten Lebensgestaltung. Sie gehen davon aus, dass es ihnen gelingt, den Wunsch nach Selbstbezogenheit und Selbstverwirklichung mit den Wünschen nach Familie und Beruf in einem Lebensentwurf zu verbinden. Für die Mehrzahl der Jungen in der Stadt sind Beruf und Familie gleichgewichtige Werte. Bei der Realisierung dieses
Lebenskonzepts stehen die Jungen vor den verschlossenen Türen einer Gesellschaft, die weitgehend indifferent gegenüber Kindern und deren Bedürfnissen ist. Diese Haltung bewirkt eine Privilegierung des Lebens ohne Kinder. Eine integrierte Stadtentwicklungspolitik muss in der Stadt die entsprechenden Bedingungen schaffen, damit die Jungen in der Stadt motiviert werden, Risiken auf sich zu nehmen, die bei der Verbindung von Beruf
und Familie entstehen.

Die Stadt als Integrationsmaschine
Die Großstädte entstehen und wachsen durch Zuwanderung. Diese war schon seit eh und je ein konstitutiver Bestandteil von Stadtentwicklung. Der 2011 verstorbene Stadtsoziologe Hartmut Häußermann erkannte die Bedeutung der europäischen Stadt in ihrer jahrhundertealten Fähigkeit zum Ausgleich divergierender gesellschaftlicher Prozesse. Er nannte die europäische Stadt treffend eine robuste „Integrationsmaschine“. In ihr entscheidet sich die Zukunft unserer Gesellschaften. Auch in der Zukunft werden die Bevölkerungsanteile von Menschen mit ausländischer Herkunft vor allem in den Großstädten wachsen. Der Migrantenanteil in den großen Städten wie Frankfurt, München und Stuttgart erreicht derzeit den Spitzenwert von bis zu 30 % der Stadtbevölkerung. Die Zuwanderung aus europäischen Ländern geht zu Ende. Die wirtschaftlichen Unterschiede in der Westhälfte Europas sind nicht mehr groß genug, um die Menschen zum Verlassen der Heimat zu veranlassen. Dafür wächst der Zuwanderungsdruck aus den außereuropäischen Ländern. Diese Zuwanderer unterscheiden sich durch ihren anderen kulturellen Hintergrund fundamental von den europäischen Zuwanderern.

Die Stadt und die Politik
Das Vertrauen der Bürger in die Gestaltungskraft und den Gestaltungswillen der Politik ist dramatisch gesunken. Die relative geringe Wahlbeteiligung ist ein deutliches Zeichen für die Geringschätzung der Politik und gleichzeitig eine große Gefahr, insbesondere für die lokale Demokratie. Für die europäische Stadt ist die lokale, demokratisch verfasste Autonomie unverzichtbar. Vorausschauendes politisches Gestalten ist nur möglich, wenn man weiß, wohin die Entwicklung geht und man den fundamentalen gesellschaftlichen Wandel nicht verdrängt, sondern diesen sorgfältig und kompetent analysiert und aus dieser Analyse die Perspektiven für die Gestaltung der städtischen Zukunft gewinnt.

Text: Prof. Dr. Wolfgang Böhm, Gründungsmitglied und Vorstandssprecher der Stiftung Urban Future Forum e. V.

Artikel zuerst erschienen im Februar 2020 in "Haus und Grund"


Review zum Metropolengespräch: Die klimagerechte Stadt. Anforderungen an ein nachhaltiges städtebauliches Gesamtkonzept

Montag, 3. Februar 2020
18:00 – 20:15 Uhr
IHK Frankfurt am Main / Börsenplatz 4 / 60313 Frankfurt am Main

Am Montag, den 03. Februar trafen sich interessierte Bürger*innen in der IHK Frankfurt, um gemeinsam mit Vertretern und Vertreterinnen der Bereiche Architektur, Journalismus, Stadt- und Landschaftsplanung  und Verantwortlichen der Stadt Frankfurt über die klimagerechte Stadt sowie deren Anforderungen an ein nachhaltiges städtebauliches Gesamtkonzept zu diskutieren. Das Thema stieß auf große Resonanz und wir freuen uns, dass so vielen Zuhörenden das Wohlergehen der europäischen Stadt und ihrer Bevölkerung so am Herzen liegt wie unserer Stiftung.
Daher formulierte es Prof. Dr. Wolfgang Böhm, Vorstandssprecher der Stiftung Urban Future Forum e.V., so: „Der Klimawandel führt uns unweigerlich zurück zu der Kernfrage, die das Urban Future Forum seit Bestehen der Stiftung beschäftigt: Wie werden wir in den kommenden Jahren und Jahrzehnten, wie werden die kommenden Generationen in den urbanen Räumen leben? Das Thema der ‚Nachhaltigkeit‘ findet Einkehr in die Industrie, Unternehmens-, Bau- und Immobilienwirtschaft und wirft wesentliche Fragen auf, die für ein nachhaltiges städtebauliches Gesamtkonzept zu beantworten wären. Wird es genügen, die öffentlichen Räume umzugestalten, das Stadtgrün und die Freiflächen zu vergrößern, Mobilitäts- und Infrastruktursysteme digital zu optimieren, Quartiere und Gebäude energetisch zu ertüchtigen, um die sogenannte ‚Resilienz‘ der Städte – also die Widerstandsfähigkeit gegen die Folgen des Klimawandels – zu stärken?“
Prof. Dr. Böhm sprach sich für einen „Dreiklang“ aus gesellschaftlichem, ökologischem und wirtschaftlichem Wandel im Sinne der Nachhaltigkeit aus.
Er schloss mit den nachdrücklichen Worten: „Denn den Klimaschutz – auch und gerade bei der Stadtentwicklung – machen wir für niemand anderen als für uns selbst. Ich meine, wir sind nun alle in der Pflicht dahingehend grundsätzlich umzudenken und mit diesem Denken auch adäquates politisches Handeln zu fordern.“

Auch Melanie Nolte, Vizepräsidentin der IHK Frankfurt am Main, betonte bei ihrer Begrüßung die Herausforderungen des Klimawandels und die Notwendigkeit einer nachhaltigen Immobilienwirtschaft. Bereits 2014 hat die IHK daher einen Arbeitskreis gebildet, der die nachhaltige Wirtschaft in Unternehmen in den Fokus nimmt.
Vor welchen großen Herausforderungen wir dabei stehen wurde von Thomas Ranft thematisiert. Seine deutlichen Worte über die Dringlichkeit tätig zu werden und die Notwendigkeit umzudenken – die er mit Studien und Statistiken untermauern konnte – machten auch den Zuhörern klar, dass jetzt die Zeit zum Handeln ist. Trotz seiner drastischen Darlegungen machten seine Worte auch Mut, denn „Not macht erfinderisch“.
Prof. Dr. Constanze A. Petrow zeigte, dass die Not sogar bereits sehr erfinderisch gemacht hat. An vielen Beispielen aus dem In- und Ausland präsentierte sie Möglichkeiten, den Folgen des Klimawandels – wie Starkregenereignissen, Überschwemmungen, der Verlust von Biodiversität und den Urban Heat Islands – entgegenzutreten. Prof. Petrow arbeitete zudem heraus, wie Großstädte in Zukunft ein bestmögliches Stadtklima erzeugen, die Lebensqualität für Bürgern verbessern und den öffentlichen Raum durch Qualifizierung und topografische Anpassungen auf Wetterereignisse vorbereiten können. Besonders beeindruckten die Konzepte der Stadt Kopenhagen, die durch das „Schwammstadt-Prinzip“ nun gegenüber Starkregenereignissen und Überschwemmungen gewappnet ist. Dabei wurde deutlich, dass Frankfurt bisher nur „Kosmetik“ betrieben hat, da es große steinerne Stadtplätze nur vereinzelt mit Bäumen bestückte, um freie Flächen für Events zu gewährleisten und durch das hohe Verkehrsaufkommen sowie den enormen Parkplatzbedarf in einer Sackgasse steckt.

In der anschließenden Podiumsdiskussion forderte Florian Schwinn, freier Journalist und Autor, mehr Veränderungen und schlug Möglichkeiten vor, den Beton aus den Böden zu holen, um Humus zu schaffen, der verstärkt genutzt werden könnte, um CO2 zu binden. Er sieht auch Chancen darin, öffentliche Kantinen auf Produkte aus regionaler Landwirtschaft sowie mit Bioqualität umzustellen, um Bauern aus der Umgebung einen festen Markt zu geben und die Umstellung zu erleichtern. Prof. Petrow unterstrich außerdem die Bedeutung von Ideen-Wettbewerben, um Teilhabe zu verstärken und Bilder für die Bevölkerung zu generieren. Auch schlug sie vor, Universitäten stärker miteinzubeziehen. Ihr großer Wunsch war ein Vorreiterprojekt, bei dem Frankfurt nun endlich einen Schritt vorwärtsgeht und vergangene Bausünden bereinigen könnte. Ihr Vorschlag mit dem Goetheplatz zu beginnen, wurde von dem anwesenden Leiter des Stadtplanungsamtes von Frankfurt, Martin Hunscher, nicht weiter aufgegriffen. Obwohl, so Herr Hunscher, schon lange Konzepte erarbeitet würden, gäbe es leider kein konkretes Beispiel, wie Frankfurt mit dem Thema Nachhaltigkeit und Klimawandel in Zukunft umgeht, von einem städtebaulichen Gesamtkonzept einmal ganz zu schweigen. Um einen Wandel herbeizuführen, braucht es mutige Städte und einen hohen finanziellen Aufwand über einen langen Zeitraum. Welche deutsche Stadt hierbei den Anfang macht, muss leider noch offenbleiben. Das wird sich in naher Zukunft zeigen. Frankfurt am Main hätte die Chance hier Vorreiter und Vorbild für klimagerechtes Handeln im urbanen Raum zu sein.

Text und Bilder: Laura Margielsky (Mitarbeiterin des urban future forum)


Review: Symposium zu Ehren Ludwig Landmanns

In Kooperation mit der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums Frankfurt konnte die Stiftung urban future forum e.V. am 23. September ein spannendes Programm zu Ehren Ludwig Landmanns präsentieren. Der Politiker wurde 1924 als Nachfolger von Georg Voigt zum Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt gewählt, eine Position, die er bis zu seinem erzwungenen Rücktritt 1933 innehatte. Bereits 1925 ernannte er den Architekten Ernst May zum Stadtbaurat und gemeinsam starteten sie ein Stadtplanungsprogramm, das man heute als das „Neue Frankfurt“ kennt. Ernst May schuf mit seinem Team aus Architekten, Technikern, Künstlern und Designern 12.000 neue Wohnungen. Nicht nur ein in Zahlen eindrucksvolles Projekt, May setzte auch in Sachen Ästhetik völlig neue Maßstäbe.

Das Symposium setzte aber nicht nur einen Fokus auf die urbane Erweiterung der Stadt, auch der Mensch Landmann fand Beachtung. Der Autor des Buches „Ludwig Landmann – ein Portrait“ Wilhelm von Sternburg reflektierte im Gespräch mit Hans Sarkowicz vom HR 2 den Werdegang des Politikers jüdischer Herkunft; Von seinen Anfängen in Mannheim und seiner weiteren Karriere in Heidelberg über die Zeit in Frankfurt bis hin zu seiner Vertreibung aus Deutschland und seinem Tod im niederländischen Exil.

In der folgenden Gesprächsrunde mit dem Soziologen und Historiker Dr. Andreas Hanser, der Autorin des Buches „Judenverfolgung in den Niederlanden“ Dr. Katja Happe und des Planungsdezernenten der Stadt Frankfurt am Main Mike Josef, wurde Leben und Schaffen von Ludwig Landmann weiter vertieft. Besonders deutlich wurde dabei, wie stark die städtebaulichen Entscheidungen unter Landmann die Stadt Frankfurt auch heute noch prägen.

Ludwig Landmann wurde in den Jahren nach dem Krieg in Frankfurt allerdings wenig gewürdigt. Die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums will die Erinnerung an diesen großen Oberbürgermeister stärken und wird deshalb, beginnend mit der Eröffnung des erneuerten und erweiterten Museums im nächsten Jahr, einen „Ludwig Landmann-Preis für Mut und Haltung“ vergeben.

Text und Bilder: Laura Margielsky (Mitarbeiterin des urban future forum)


Die klimagerechte Stadt. Anforderungen an ein nachhaltiges städtebauliches Gesamtkonzept

Montag, 3. Februar 2020
18:00 – 20:15 Uhr
IHK Frankfurt am Main / Börsenplatz 4 / 60313 Frankfurt am Main

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Zu Gast: Frank Matiaske, Landrat des Odenwaldkreises

Freitag, 22. November 2019
11:00 – 13:00 Uhr
Haus Metzler in Frankfurt-Bonames, Alt-Bonames 6, 60437 Frankfurt am Main

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Alles Theater

Zur städtebaulichen und architektonischen Zukunft der Frankfurter Theaterdoppelanlage

Donnerstag, 21. November 2019
18:00 – 21:00 Uhr  

Deutsches Architekturmuseum / Schaumainkai 43 / 60596 Frankfurt am Mai

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